Zeitabschnitte

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Der Keuper

Vom Meer zum Festland und zurück

 

Es geschah vor mehr als 200 Millionen Jahren, am Ende des Keuper-Zeitalters: Wieder einmal kehrte das Meer zurück und dieses Mal sollte es für eine lange, lange Zeit bleiben. Noch heute dokumentiert eine kleine Keuperschicht, das so genannte „Grenzbonebed“, den spannenden Wechsel vom Keuperfestland zum Jurameer. Und mit etwas Glück findet sich darin vielleicht ein Haifisch- oder gar ein Saurierzahn.

 

Im Keuper selbst war es, von gelegentlichen Meereseinbrüchen abgesehen, oftmals staubtrocken. Dieser Wechsel zwischen „Wasser“ und „Wüste“ sticht uns in den Ablagerungen des Albvorlandes noch heute ins Auge. Kaum eine andere Gesteinsserie bietet so viel Abwechslung in Formen und Farben wie der Keuper: Rote, blaue, violette, schwarze und grüne Sand- und Tonsteine sorgen für wahren Farbenzauber. Eine Vielzahl weltweit bedeutender Fossilienfunde im Gebiet der Schwäbischen Alb zeigen uns, welche Lebewesen die Meere und subtropischen Landschaften des Keupers bewohnten: Amphibien, Saurier, Lungenfische und die ältesten Schildkröten der Welt. An Pflanzen finden sich unter anderem Reste von Schachtelhalmen und Farnwedeln.

 

Keuperlandschaften bedecken heute weite Teile des Albvorlandes und lassen sich beispielsweise im Raum Tübingen oder im Naturpark Schönbuch erleben.

 

Der Schwarze Jura

Sonne, Meer und Saurier

 

vor 200 Millionen Jahren erstreckte sich dort, wo heute die Schwäbische Alb das Landschaftsbild Süddeutschlands prägt, ein Meer - das Jurameer. Circa 50 Millionen Jahre lang war, bis auf wenige Inseln, ganz Europa davon überflutet. Es war tropisch warm.

 

Die Meeresablagerungen, die in dieser langen Zeit entstanden sind und aus denen die Schwäbische Alb größtenteils besteht, unterteilt man in den Schwarzen, den Braunen und den Weißen Jura.

Sehr treffend hat Robert Gradmann die Alb als „einen Koloß mit

tönernen Füßen“ beschrieben, denn tatsächlich steht die mächtige Albsteilstufe auf dem rutschfreudigen Ornatenton, der obersten Braunjuraschicht. Hier kommt ein Teil des Wassers aus dem verkarsteten Weißen Jura wieder in Form von Quellen zum Vorschein und trägt durch seine Quellerosion kräftig dazu bei, dass immer wieder Teile der Alb abrutschen. Im Gelände ist die Grenze zwischen Braunem Jura (malerische Hügel im Albvorland) und Weißem Jura (schroffer Albaufstieg) meist deutlich zu erkennen. Auch die ausgedehnten Streuobstwiesen am Albrand zeigen uns den Braunen Jura, da sie hier früher wie heute die überwiegende Nutzungsform darstellen.

Der Braune Jura

 

Tönerne Füße der Alb

 

Neben seinen beiden „Geschwistern“, dem älteren Schwarzen und dem jüngeren Weißen Jura, die durch Fossilfunde weltberühmt wurden, gerät der unscheinbarere „Kleine Bruder“ Braunjura leicht in Vergessenheit. Dabei hat auch er einiges zu bieten.

 

Als relativ dünnes Band zieht sich der Braune Jura an der Nordseite der Schwäbischen Alb zwischen der flachen Schwarzjuraplatte und dem Steilanstieg des Weißen Juras hin. Seine bräunlichen, meist eisenhaltigen Sandsteine gaben ihm den kennzeichnenden Namen Brauner Jura, im Unterschied zu den im Schwarzen Jura verbreiteten dunklen Ölschiefern und den weißen Kalken im Weißen Jura. Im Vergleich zu der Schwarzoder Weißjurazeit wurden die Braunjura-Ammonit Staufenia Sinon (SMNS)Braunjuraschichten vor circa 160 Mio. Jahren in einem flacheren, festlandsnäheren und vor allem kälteren Meer abgelagert. Bei lediglich 13 bis 18°C Wassertemperatur war es Korallen und anderen tropischen Lebewesen einfach zu kühl. Es finden sich jedoch zahlreiche Muscheln und Ammoniten mit teilweise opalschimmernden Schalen.

 

Zur Braunjurazeit lag der Bereich der Ostalb näher zum Festland als die Westalb. Die unterschiedlichen Ablagerungsbedingungen sind noch heute im Gelände zu erkennen. Eine erste Schichtstufe im Gelände bilden im Bereich der Mittleren Alb die Donzdorfer Sandsteine, die früher als Bausteine sehr begehrt waren, z.B. beim Bau des Ulmer Münsters. Diese Sandsteine zählen schon zur Formation des sogenannten Eisensandsteines. Hier finden sich Eisenerzvorkommen, eingeschwemmt aus den Flüssen des benachbarten Festlandes. Mit einem Erzgehalt von über 30% waren diese Schichten früher für den Abbau interessant. Etwa 30.000 Tonnen Erz pro Monat wurden beispielsweise bis 1963 aus der Grube „Karl“ bei Geislingen gefördert.

 

 

Die tonreichen Schichten des Braunen Jura neigen zu Rutschungen und sind deshalb bei Straßen- und Häuslebauern gleichermaßen gefürchtet. Im Gelände erkennt sie der aufmerksame Beobachter an einigen Stellen an krumm und schief gewachsenen Obstbäumen, die durch so genanntes „Hakenschlagen“ versuchen, das Wegrutschen ihres Wurzelbereiches auszugleichen.

Kalksteine in so großen Vorkommen regten den Menschen verständlicherweise zu vielfältigen Nutzungen an. So prägen große Steinbrüche auch heute noch das Landschaftsbild. Hier wurden und werden Kalkschotter für das Baugewerbe und Kalk als Rohmaterial für die Zementindustrie gewonnen. Da der weite Transport des Kalkes zu teuer gewesen wäre, finden sich meist große Zementwerke in der Nähe der Steinbrüche, so in Allmendingen, Dotternhausen, Schelklingen und Geisingen. Die Steinbrüche stellen zwar erst einmal einen Eingriff in die Naturlandschaft dar, sind aber nach einiger Zeit wichtiger Lebensraum für Wanderfalken, den Uhu und andere seltene Tierarten und stehen deshalb teilweise sogar unter Naturschutz.

 

Der Weiße Jura

 

Meeresstrände und Wacholderheiden

 

Die Bahamas südlich von Stuttgart: ein tropisches Meer mit Wassertemperaturen von 19 bis 23°C, Korallenriffe im Wasser, Palmfarne und Ginkgobäume an Land. Ein Paradies aus der Tourismuswerbung in unserer unmittelbaren Nähe? Heute nicht mehr, aber vor 150 Millionen Jahren, im Zeitalter des Weißen Jura, befand sich im Bereich der Schwäbischen Alb ein solches tropisches Meer.

 

Schaut man heute vom Stuttgarter Fernsehturm nach Süden, bietet sich ein ganz anderes Bild. Eine Steilstufe von mehreren hundert Metern Höhe erhebt sich aus dem Vorland. Sie ist sozusagen vom tropischen Meer zurückgeblieben, welches einst große Teile Europas bedeckte. Die Schichten des Albtraufs sind aus verfestigtem Meeresschlamm sowie unzähligen Gehäuseresten und Kalkausscheidungen von Schwämmen, Algen und Korallen aufgebaut. Dazwischen liegen immer wieder dünne Mergelschichten, deren Ablagerung auf rhythmische Klimaschwankungen zurückgeführt wird. Zusammen mit den dünnen Mergellagen lassen die Kalkbänke das Bild aufgeschichteter Mauern entstehen. Diese „wohlgebankten Kalke” sind stellenweise so schön aufgeschichtet, dass der Betrachter zweifelt, ob hier die Natur oder der Mensch tätig gewesen ist. Ganz anders sehen einige Felsen aus: undeutlich bis gar nicht geschichtete, massige, kompakte Kalke. Hier waren die Schwämme am Werk, also im Jurameer weit verbreitete Meerestiere, die ähnlich wie Korallen Riffe aufbauen.

Die Kalksteine der Alb sind aufgrund der flachgründigen Böden fast an jeder Wegböschung an der Oberfläche sichtbar oder fi nden sich am Rande von Äckern in großen Lesesteinhaufen oder Mauern zusammengetragen. „Viel Steine gab’s und wenig Brot”, so wurde früher das Härtsfeld bei Neresheim beschrieben, und auch heute noch fragt sich der Betrachter, wie zwischen den Steinen, die die Äcker fast vollständig bedecken, eigentlich noch Getreide wachsen soll.

 

Das wasserlösliche und „wasserverschluckende” Kalkgestein der Alb ist nicht nur ein geologisches Phänomen, sondern zwingt auch Menschen, Tiere und Pflanzen zu besonderen Anpassungen. Berühmt ist die Alb für ihre leuchtend bunten Wiesen, Kalkmagerrasen genannt, mit zahlreichen Orchideen und Silberdisteln. Die großflächigen Wacholderheiden, ein geradezu typisches Bild für die „ursprüngliche” Alb, würden hier eigentlich gar nicht vorkommen. Sie wurden sozusagen vom Menschen angelegt. Dessen Schafherden verhinderten das Aufkommen von Laubbäumen, die ansonsten hier einen lichten Buchenwald gebildet hätten. Lediglich der stachelige Wacholder, den auch kein noch so hungriges Schaf verbeißen wollte, blieb erhalten.

 

Ein imposantes Lehrstück für die Abtragung des Albtraufs und die Rückverlagerung der Schwäbischen Alb bietet der Mössinger Bergrutsch. Im April 1983 gerieten dort innerhalb weniger Stunden 4 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein in Bewegung. Heute kann im Naturschutzgebiet beobachtet werden, wie eine total zerstörte Landschaft von der Tier und Pflanzenwelt zurückerobert wird.

 

Heute finden sich die ehemaligen Riffe des Jurameeres als Kuppen auf der Albhochfläche oder als Felsnadeln herauspräpariert, am schönsten im wildromantischen Durchbruchtal der Donau durch den Schwäbischen Jura zwischen Fridingen und Sigmaringen. Die herausragenden Felsköpfe hat der Mensch früh genutzt. Kaum irgendwo findet sich eine derartige Burgendichte wie auf der Schwäbischen Alb. Zum Beispiel: Hohenzollern, Teck, Neuffen, auf Zeugenbergen vor der Steilstufe und 20 Burgen allein im Lautertal auf einer Strecke von gerade mal 35 Kilometern.

 

Ein Gruß aus dem All hinterlässt Spuren

Es dauerte nur wenige Minuten und ereignete sich vor 15 Millionen Jahren - eine Naturkatastrophe von riesigem Ausmaß, die alles Leben in weitem Umkreis vernichtete. Zwei Meteoriten schlugen mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km in der Sekunde nur rund 40 km voneinander entfernt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb ein. Der Einschlag des größeren Meteoriten führte zur Entstehung des bekannten Nördlinger Rieses. Der kleinere Meteorit besaß einen Durchmesser von ca. 80 m und hinterließ im Gebiet der heutigen Gemeinde Steinheim am Albuch einen kreisrunden Krater von 3,5 km Durchmesser. Beim Einschlag entstand ein Druck von über 100.000 Atmosphären und Temperaturen von einigen 10.000°C. Demzufolge verdampften der Meteorit und das umgebende Gestein beim Aufschlag, so dass ein Krater von rund 250 Metern Tiefe entstand.

 

Durch den Einschlag breiteten sich Stoßwellen aus, der Krater wurde ausgesprengt und dabei eine riesige Menge an Trümmermassen ausgeworfen. Ähnlich wie bei einem Tropfen, der auf die Wasseroberfläche auftrifft, bildete sich ein Randwall und als Folge der Rückfederung stieg der heute noch deutlich sichtbare Kegel des Zentralhügels auf. In Sekunden wurden die Gesteine zermahlen und aufgeschmolzen - vom harten Weißen Jura an der Oberfl äche bis tief ins Erdinnere zum Grundgebirge. Gesteinsschollen, zum Beispiel aus Weißjurakalkstein, wurden kilometerweit durch die Luft geschleudert, beim Aufprall schräggestellt, gestaucht und gefaltet. Schließlich entstand im Sprengkrater ein Süßwassersee, in dem rasch neues Leben Fuß fasste. Berühmt sind vor allem die Sande des Steinheimer Beckens mit ihren Süßwasserschnecken, man fand darin aber auch Fische, Schildkröten und Säugetiere.

 

Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt waren damals vollkommen anders als heute: Eine endlose Tundra erstreckte sich bis fast zum Horizont. Kaum vorstellbar, dass in den heutigen „Trockentälern“ damals sehr viel Wasser floss, denn die Albbäche konnten aufgrund des dauerhaft gefrorenen Bodens nicht in den Karstuntergrund versickern. Nur Überlebenskünstler wie Flechten und Gräser sowie zwergwüchsige Sträucher und Bäumchen überlebten die eiskalten Winter. Einige wenige dieser Pfl anzenarten konnten die Jahrtausende hindurch bis heute an einzelnen, seltenen Alb-Standorten überdauern. Inzwischen längst ausgestorbene und auch heute noch existierende Tierarten wie Mammut, Wollnashorn, Bison, Wildpferd und Rentier lebten damals auf der Alb und wurden intensiv vom Menschen gejagt: Am Petersfels bei Engen wurden Knochenfunden zufolge Tausende von Rentieren in eine Talengstelle gehetzt und erlegt! Und vielleicht war es der Neandertaler, der das Albmurmeltier seinerzeit ausrottete. Möglicherweise gerieten die Steinzeitmenschen auch gelegentlich mit einem der mächtigen Höhlenbären aneinander, ganz wie es Weinland in seinem „Rulaman“- Roman so spannend beschrieben hat. In der Bärenhöhle bei Erpfingen fand man teilweise „eingekalkte“ Knochenreste von Hunderten dieser riesigen Tiere.

Tertiär

 

Vulkane brechen aus, Meteoriten schlagen ein

 

Nach 50 Millionen Jahren ist es dann endlich soweit, das Jurameer zieht sich zurück, die Alb wird zum Festland. Doch nur wenige Spuren aus dieser Zeit der Kreide und des frühen Tertiärs haben sich erhalten. Der Grund dafür liegt in der starken Abtragung, die alle Zeugnisse aus dieser Zeit fast restlos beseitigte. Die spannendsten Überbleibsel des Tertiärs sind die Zeugnisse zweier Naturkatastrophen mit großen Folgen.

 

Der Schwäbische Vulkan

Auf der Schwäbischen Alb brachen im Tertiär, zwischen 18 und 10 Millionen Jahren, viele Vulkane aus, die teilweise noch heute im Landschaftsbild zu erkennen sind. Das basaltische Magma stieg in die zerklüftete Erdkruste auf und riss Gesteinsbrocken aus dem Grundgebirge sowie den überlagernden Schichten der Trias und des Juras mit sich. Beim Zusammentreffen mit dem Grundwasser im oberen Weißen Jura kam es zu gewaltigen Wasserdampf-Explosionen, welche die überlagernden Schichtkomplexe wegsprengten. So entstanden riesige Sprengkessel, die sich später mit Wasser füllten und große Süßwasserseen auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb bildeten.

 

Im Albvorland treten die Vulkanschlote als kegelförmige Berge auf. So haben zum Beispiel die Limburg, der Turmberg, die Sulzburg bei Oberlenningen, der Spitzberg und Engelberg bei Beuren, der Georgenberg bei Reutlingen, der Metzinger Weinberg sowie der Grafenberg und einige andere einen vulkanisch entstandenen Kern. Die Schlotfüllungen dieser Berge sind verwitterungsbeständiger als die umgebenden Schichten des Braunen Juras und erheben sich deshalb als flache Kegel im Vorland der Schwäbischen Alb. Als Menschen die Schwäbische Alb besiedelten, waren die Vulkanschlote für sie von besonderer Bedeutung, denn sie fanden dort Wasser. Dieses sammelte sich auf den wasserstauenden vulkanischen Tuffen und floss nicht, wie sonst für die verkarstete Albhochfläche typisch, rasch ab. Der bekannteste dieser ehemaligen Süßwasserseen ist das Randecker Maar, ein Vulkanschlot, heute unmittelbar am Albtrauf gelegen. Er hinterließ feingeschichtete Kalke mit schön erhaltenen Fossilien: Blüten und Blätter subtropischer Pfl anzen, Insekten, Frösche und Salamander, ja sogar Reste von Säugetieren.

 

Quartär

 

Von Eiszeitjägern und frühen Künstlern

 

Schwer atmend kehren die Eiszeitjäger heim. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Sie haben große Beute gemacht. Teile mehrerer Mammuts tragen sie in ihrem Gepäck. Entsprechend groß ist die Freude bei den zurückgebliebenen Stammesangehörigen. Sie bereiten ihren Jägern einen stürmischen Empfang. Diese Szene könnte sich vor ca. 30.000 Jahren, also mitten in der letzten Eiszeit, im Gebiet der Schwäbischen Alb abgespielt haben.

 

Seit über 2 Millionen Jahren, also seit dem Beginn des Quartärs, hatten sich Eis- mit Warmzeiten in einem fast schon regelmäßigen Rhythmus abgewechselt. Ein neues Lebewesen war auf der Alb erschienen, von dem man noch viel hören sollte: der Mensch. Insbesondere seine Hinterlassenschaften aus der letzten Eiszeit wurden und werden noch heute auf der Alb gefunden. Mit ihren Höhlen verfügt sie über einzigartige Archive der Kulturgeschichte. Weltbedeutende Funde wurden in den Höhlen im Achtal und im Lonetal entdeckt - die ältesten Kunstwerke der Menschheit! Aus Mammutelfenbein und Tierknochen schufen die frühen Steinzeitmenschen Figuren und Instrumente. Ja, denn sie machten auf geschnitzten Flöten sogar Musik!

 

Verkarstung

 

Wo Steine und Wasser verschwinden

 

Wenn es auf der Schwäbischen Alb regnet, dann löst das Regenwasser den Kalkstein auf. Risse, die das Gebirge durchziehen, werden dann zu Spalten und Schächten ausgeweitet. Schließlich werden große Höhlensysteme aus dem Gestein gelöst. Das Wasser bleibt nicht lange im Untergrund, sondern fließt über Röhren, manchmal sogar als unterirdischer Fluss schnell ab. Seit dem Ende des Tertiärs entwickelte sich auf diese Weise eine karge, durch Verkarstung gekennzeichnete Landschaft - die Schwäbische Alb.

 

Sagenhafte Unterwelt

Über Jahrmillionen entstanden durch die Lösung des Kalkes im Inneren der Schwäbischen Alb weitläufi ge und beeindruckende Höhlensysteme. Häufig sind diese reich mit Tropfsteinschmuck verziert. Denn tropft das mit Kalk befrachtete Wasser in den Höhlen von der Decke, fällt der Kalk wieder aus. An den Decken entstehen nach und nach schlanke Stalaktiten. Beim Auftreffen des Wassertropfens auf dem Boden wächst über die Jahrtausende ein Stalagmit in die Höhe, bis sich beide zu einer Tropfsteinsäule zusammenfinden.

 

Aus Wasser werden Steine

Anders herum als bei der Höhlenbildung kann aus Wasser auch wieder Stein werden. In den Höhlen entstehen Tropfsteine, an der Erdoberfläche dagegen Kalktuff. Hauptsächlich an Moosen und Algen wird der Kalk an Karstquellen, die meist am Rand der Schwäbischen Alb in tief eingeschnittenen Tälern entspringen, wieder ausgefällt. Obwohl die Pflanzen von unten her immer mehr „versteinern“, können sie nach oben hin weiter wachsen, so dass mehrere Meter mächtige Vorkommen dieses Kalktuffs entstehen können. An etlichen älteren Gebäuden fällt der poröse und löchrige Kalkstein auf. Er lässt sich „bergfeucht“ leicht sägen und wirkt stark isolierend - kein Wunder also, dass er früher als gesuchter Baustein Verwendung fand.

 

Wasser taucht ab - und wieder auf

Die ausgedehnten Hohlräume der Alb-Unterwelt sind berühmt für ihre zahlreichen Schauhöhlen und berüchtigt für die Dolinen, kleinere Einsturztrichter, die im Extremfall auch schon mal mit einem gerade darüberfahrenden Traktor einbrechen. Und schließlich führt die „ausgehöhlte“ Alb noch zu einem weiteren Phänomen: Trotz hoher Niederschläge ist die Schwäbische Alb die wasserärmste Landschaft Deutschlands. Vor dem Ausbau der Albwasserversorgung waren viele Albbewohner auf in Zisternen und Hülen gesammeltes Regenwasser angewiesen und in dürren Sommern musste zum Teil monatelang Wasser in Fässern von weit her auf die Hochfläche transportiert werden. Gleichzeitig besitzt die Alb mit der Aachquelle und dem Blautopf die stärksten Quellen Deutschlands. Bei Hochwasser schütten der Aachtopf bis zu 24.800 und der Blautopf bis zu 32.000 Liter pro Sekunde. Zu erklären ist dies mit dem Versickern des Wassers in den ausgehöhlten Untergrund. Besonders beeindruckend ist das plötzliche Verschwinden der gesamten Donau bei Immendingen, der so genannten Donauversickerung. Im 12 km entfernten Aachtopf tritt das Donauwasser später wieder aus.

 

 

 

Flusstäler ohne Flüsse

Überall auf der Albhochfläche findet man beeindruckende Flusstäler, nur der zu erwartende Fluss ist nicht zu finden. Wo sind die Flüsse, die diese Täler gegraben haben? Entstanden sind diese Täler im Tertiär und während des Eiszeitalters. Damals rauschten noch große Flüsse auf der Alb, bis sie im Zuge der Verkarstung in den dadurch entstandenen ausgedehnten Höhlen- und Kluftsystemen verschwanden. In den „unterirdischen Flussläufen“ fließt das Wasser auf geheimnisvollen Wegen kilometerweit. Erst Färbeversuche, Höhlen- und Tauchexpeditionen konnten einige davon aufspüren und nachvollziehen. Das Wasser sammelt sich in der Regel in zwei Karststockwerken. Das Wasser des tieferen Stockwerks fließt zum Neckar hin ab, während das Wasser des höher gelegenen Stockwerks zum größten Teil in der Donau landet. Beide Karstwasserspeicher sind für die Trinkwasserversorgung der gerade aufgrund der Verkarstung an sich sehr wasserarmen Schwäbischen Alb von großer Bedeutung.

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